VATER

Von Florian Zeller Übersetzung Annette und Paul Bäcker
Regie: Michael Wedekind, Bühne: Bettina Neuhaus

21.04.2016 - 29.05.2016

André, achtzig, Witwer, Vater von zwei Töchtern, merkt, dass sich etwas verän­dert - es verschwinden Sachen, er versteckt Gegen­stände, er fühlt sich bedroht, verfolgt, er verliert die zeitliche und räumliche Orien­tierung. Noch lebt er allein in seiner Pariser Wohnung und versucht, vor Anne, seiner älteren Tochter, den Eindruck aufrechtzuer­hal­ten, alles sei in Ordnung, wobei es ganz offen­sichtlich ist, dass er allein nicht mehr zurechtkom­mt. Also organ­isiert sie für ihn Pflege­hil­fen, mit denen sich aber dieser stolze und seiner Würde behaup­tende alte Mann ständig zerstre­itet. Und nun will sie mit ihrem neuen Lebenspart­ner nach London gehen. Was tun? Wie vorge­hen? Ein theatralis­ches Spiegelk­a­bi­nett, überraschend, schräg, beängsti­gend, aber auch komisch und schrill: ein alter Mann auf der Spuren­suche nach sich selbst, gerät in eine Welt, in der seine Biografie und die Beziehun­gen, die sie mitge­bracht hat, nicht mehr gelten, weil diese Welt, in der sie entstanden sind, im Unterge­hen, im Verlöschen ist.

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Press­es­tim­men

Ziemlich mutig, dieses Stück im Zoo Theater. Wilfried Elste spielt den Alten beein­druck­end. Er balanciert anrührend tapfer an den größer werden­den Löchern des Vergessens entlang, anfangs erkennt er sie wenig­stens noch, dann fällt er unmerk­lich hinein. Gespielt wird die „tragis­che Farce“ ganz leicht, ohne bedrück­ende Schwere, mit aufkeimender Komik. Wertung: SEHR GUT(BILD, 22.04.2016)

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Michael Wedekind insze­niert das Stück, das zum ersten Mal in Frank­furt zu sehen ist, trotz des Themas heiter, stets empathisch, ohne Überraschun­gen. Wilfried Elste gibt überzeu­gend einen mal verstörten, mal charman­ten, mal verletzt-​verletzenden André, spielt Verwun­derung und Entwick­lung samt Tremor und Unruhe in den Beinen. Verena Wengler als Anne macht die Ängste und Zweifel der Tochter nachspür­bar, die anfängliche Abwehr, die Hoffnun­gen. Im Rémond-​Theater gibt es am Donner­stagabend viel Applaus.“ (Frank­furter Rundschau, 23.04.2016)

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Viel Mut beweist Inten­dant Claus Helmer, diese „Tragis­che Farce in 15 Szenen“ an sein Haus zu holen. Vielle­icht ist es die gewagteste Insze­nierung seit Jahren im Zoo-​Theater, für die Regis­seur Michael Wedekind sich ganz auf das Können seiner Schaus­pieler verlassen muss – und kann. Wilfried Elste, 77, viele Jahre am Schaus­piel Frank­furt tätig, gibt eine unglaublich konzen­tri­erte und souverän gestal­tete Vorstel­lung des André. Tosenden Applaus gab es am Ende für einen ergreifenden Theat­er­abend.“ (FNP, 23.04.2016)

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Wilfried Elste brilliert als nuancen­re­icher „Vater“ im Fritz Rémond Theater. Verena Wengler steht ihrem Partner in nichts nach. Allein mit schaus­pielerischen Mitteln gelingt den beiden, wofür andere digitalen Einsatz brauchen: die Zuschauer in den Erleb­nis­raum des Kranken zu holen.“ (FAZ, 23.04.2016)

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Wie Elste den starrköp­fi­gen Alten zwischen Wutan­fällen und Clownerie pendeln lässt, um dann kurz Momente der Erinnerung aufblitzen zu lassen, ist schlichtweg brillant. Wer sich auf Zellers Kammer­spiel einlässt, wird belohnt: Mit tollen Schaus­piel­ern, die sich dem Thema respek­tvoll nähern und klarma­chen, wie grausam Alzheimer ist - und das nicht nur zu den Erkrank­ten.“ (Offen­bach Post, 26.04.2016)

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Totspan­nend, mitreißend und ziemlich witzig, ohne belusti­gend zu sein. Und nicht nur das. Viel Besseres gibt es derzeit in ganz Frank­furt nicht auf der Bühne zu sehen. Wilfried Elste, langjähriges Mitglied am Frank­furter Schaus­piel, weiß alle Regis­ter seiner hohen Kunst zu ziehen und findet in Verena Wengler ein adäquates Gegenüber, das auch die Anstren­gung derer zum Ausdruck bringt, die in ihrem Alltag mit demen­zkranken Menschen leben. Ein großer Abend.“ (Strandgut, Mai 2016)

Video zum Stück