Arthur und Claire

Von Stefan Vögel
Regie: Anja Junski

14.05.2020 - 21.06.2020

Arthur hat sich in einem Hotel in Amster­dam einquartiert. Er ordert ein feines Dinner for one mit exquis­item Wein, das er bei schöner Musik in entspan­nter Atmosphäre genießen will. Bevor er sich den kulinar­ischen Freuden hingibt, überfliegt er noch einmal den Abschieds­brief an seine Kinder und die Ex-​Frau. Arthur, der Sportlehrer und überzeugte Nichtraucher leidet an unheil­barem Lungenkrebs. Laut Diagnose bleiben ihm nur wenige Monate auf dieser Welt. Er hat beschlossen, am nächsten Tag seinem Leben in einer Sterbek­linik ein würde­volles Ende zu setzen. Eigentlich hat er seinen Frieden gefun­den, nur eines stört ihn: diese schreck­liche Musik, die aus dem Neben­z­im­mer dröhnt. Da er sich den letzten Abend seines Lebens nicht mit schlechter Musik verder­ben will, klopft er empört an die Nachbartür. Als ihm eine hübsche junge Frau öffnet, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen: Von der Decke baumelt ein Strick, mit dem sich diese hübsche junge Frau offen­sichtlich erdrosseln will. Zum Glück scheint es noch nicht geklappt zu haben. So wie auch der Versuch, sich die Pulsadern aufzuschnei­den und Tablet­ten zu schlucken erfol­g­los war. Die Erken­nt­nis, dass beide dasselbe Vor’ haben in die Tat umset­zen wollen, macht sie bei aller Erheiterung sprach­los. Claire ist zwar bereit, leiser zu drehen, sie hält jedoch vehement an ihrem Entschluss fest, sich umzubrin­gen. Da erwachen bei Arthur die Lebens­geis­ter. Nicht für sich selbst, sondern für die junge Frau, bei der er trotz arger Schick­salss­chläge keinen ernsthaften Todeswun­sch und die Notwendigkeit für so einen irreversiblen Schritt spürt. Eine heftige Auseinan­der­set­zung über den Sinn eines Lebens, das nicht gerade vom Glück überstrahlt ist, mündet beim Kompro­miss, den letzten Abend gemein­sam zu verbrin­gen. Natür­lich nicht im Zimmer, sondern in dieser herrlichen Stadt, die weit mehr zu bieten hat als Sterbek­liniken. Der nächtliche Bummel endet aber doch im Zimmer, und zwar in Arthurs, und zwar in seinem Bett. Am Morgen erinnern sich beide an eine rauschende Liebesnacht. War‚s das jetzt wirklich? Arthur hält an seinem Vorsatz fest. Außer­dem wider­spricht es seinem soliden Charak­ter, Termine zu versäu­men. Claire will das nach dieser Nacht nicht wahrhaben und setzt alles daran, ihn zum Weiter­leben zu motivieren. Kann sie Arthur von seinem finalen Entschluss abhal­ten?

Zwei Selbst­mord­kan­di­daten, die das Schick­sal übere­inan­der stolpern lässt. Wie argumen tiert man den eigenen Todeswun­sch, wenn man den anderen vom Leben überzeu­gen will? Und wenn dann fünf vor zwölf auch noch die Liebe ins Spiel kommt und sich diese ewigen Gefühle zu Wort melden, die unsere Reise auf diesem Planeten so schön machen, wird‚s ganz knapp mit der Zeit. Stefan Vögel versteht es, eine traurige Ausgangssi­t­u­a­tion als leichte Komödie zu erzählen. Da spürt man die schmerzvollen Seiten des irdis­chen Daseins und muss trotz­dem lachen. Das beherrschen nur Ausnah­meau­toren dieses Genres. In klugen, witzi­gen Dialo­gen kreisen die beiden Lebens­mü­den um die Dinge, die das Leben ausmachen und werden wieder wach. Und es gibt eine eindeutige Wende im Stück, sich diesem Leben zu stellen und es bis zum letzten Augen­blick auszukosten. Ein bezaubern­des Spiel um die menschliche Existenz, ein happy end, das sich seinen Weg tapfer erkämpft.